Am Gerhart-Hauptmann-Platz, wo heute das Thalia-Theater steht, wurde im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1619 und 1622 in Hamburg das erste Werk- und Zuchthaus errichtet.
Die Unterbringung in diesem Haus war keine Strafe. Vielmehr war es aus der Not der Zeit entstanden, und es wohnten dort arme Menschen mit den unterschiedlichsten sozialen Schwierigkeiten. Im Jahre 1726 soll das Haus 2500 Bewohner gehabt haben, das waren 3 Prozent der damaligen Hamburger Bevölkerung.
Das „Armenhaus“, wie es genannt wurde, fiel 1842 dem Großen Hamburger Brand zum Opfer. Ersatz schuf die Stadt durch den Neubau des „Werk- und Armenhauses“ am heutigen Standort von PFLEGEN & WOHNEN FINKENAU.
Als Erweiterung entstand 1902 das „Versorgungsheim Farmsen“. Wie schon im Dreißigjährigen Krieg waren es auch im 20. Jahrhundert vor allem Kriegsfolgen, die zu einem stetig steigenden Bedarf an Unterkünften für Menschen in sozialen Notlagen führten. Die „Wohlfahrtsanstalten der Hansestadt Hamburg“ mussten erweitert werden, und neben der Wohnmöglichkeit wurden Arbeitsmöglichkeiten zur Eigenversorgung geschaffen. Das 1929 erbaute Haus in Groß Borstel bot in seiner 75-jährigen Geschichte Menschen mit geringem Einkommen Betreutes Wohnen in unterschiedlichen Formen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte man im zerstörten Hamburg Kasernen in Pflegehäuser um. In den 60er Jahren baute die Stadt neue Pflegeeinrichtungen in Lokstedt, Bergedorf und Wilhelmsburg. Die gesetzliche Grundlage dieser Zeit wurde das Bundessozialhilfegesetz. Pflegerische Leistungen wurden systematisch definiert und die Heime von den Unterkünften oder „Wohnlagern“, wie es damals hieß, abgegrenzt.
In den letzten 100 Jahren wurde aus den Wohlfahrtsanstalten über das Amt für Heime, den Landesbetrieb Pflegen & Wohnen 1997 die Anstalt öffentlichen Rechts pflegen & wohnen. Sie versorgte Menschen in den drei Bereichen: Pflege, Eingliederungshilfe und Wohnen (Wohnunterkünfte). 2005 wurden die städtischen Pflegezentren als pflegen & wohnen Betriebs GmbH aus der Anstalt öffentlichen Rechts pflegen & wohnen ausgegliedert. Die zwei Geschäftsbereiche der neuen Anstalt öffentlichen Rechts fördern & wohnen sind seitdem die Eingliederungshilfe für Menschen mit seelischen, psychischen Erkrankungen und das Wohnen in Unterkünften für Asylbewerber, Aussiedler und Flüchtlinge sowie Menschen in sozialen Notlagen.
Der Betrieb der zwölf Pflegezentren wurde in die neu gegründete pflegen & wohnen Betriebs GmbH übergeleitet, die 2007 von der Freien und Hansestadt Hamburg verkauft wurde. Die zwölf ehemals städtischen Senioreneinrichtungen befinden sich heute in privater Trägerschaft. Zu diesem Zweck haben sich die Berliner Vitanas GmbH & Co. KGaA, Berlin sowie der Hamburger Unternehmer Andreas Franke zu einem Konsortium zusammengeschlossen.