Wie gehe ich mit Demenzkranken um?

Demenzkranke haben oft Schwierigkeiten, Situationen richtig zu verstehen und sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden, wodurch Ängste und Aggressionen entstehen. In vielen Fällen verändert sich auch das Wesen stark oder alte Familienprobleme tauchen plötzlich mit Vehemenz wieder auf. All das führt zu Auseinandersetzungen und einem schnellen Auf und Ab der Gefühle. Für pflegende Angehörige ist das meist enorm anstrengend. In dieser Situation ist es ratsam, sich nicht zu spät Hilfe von außen zu holen. Manchmal lassen sich Konflikte aber auch durch einfache Methoden vermeiden:

In den Kranken einfühlen

Jeder kennt das sekundenlange Gefühl der Desorientierung, wenn man nachts in einem fremden Hotelzimmer aufwacht. Demenzkranke erleben dieses Gefühl viele Male am Tag und über einen wesentlich längeren Zeitraum. Wenn Betroffene schreien oder unruhig sind, sollte man versuchen, sich einzufühlen und herauszufinden, was der Auslöser sein könnte bzw. was der Demenzkranke möchte. Häufig werden auch Fehler hartnäckig geleugnet. In diesen Situationen muss man sich vor Augen führen, dass der Demenzkranke seine Angehörigen nicht willentlich ärgern will, sondern aus reinem Selbstschutz handelt. Von pflegenden Personen wird ein hohes Maß an Geduld gefordert – auch wenn es verständlicherweise sehr schwer fällt.


Ablenken und nachgeben

Wenn Demenzkranke auf offensichtlich falschen Behauptungen beharren, ist es sinnlos, sie zu korrigieren. Oftmals lässt sich ein Streit vermeiden, wenn man nachgibt oder einfach das Thema wechselt. Besteht ein Demenzkranker zum Beispiel auf dem Besuch eines schon lange verstorbenen Familienmitglieds, kann man durch Nachfragen zu dieser Person ablenken und zum Erzählen anregen. Insbesondere wenn Betroffene zum Herumwandern neigen, sollte zudem die Nachbarschaft über die Erkrankung informiert werden. Viele Menschen sind bereit, ein wachsames Auge auf demenzkranke Nachbarn zu haben.
 

Selbstvertrauen stärken

Demenzkranke können oft noch lange detailliert über Ereignisse der Vergangenheit erzählen. Angehörige sollten zu Gesprächen über diese vertrauten Themen ermuntern und Aufmerksamkeit zeigen. Außerdem sollte das Selbstvertrauen im Alltag gestärkt werden, indem der Betroffene zum Beispiel alleine einkaufen geht, solange dies sicher möglich ist. Auf das Ergebnis kommt es dabei nicht an: In jedem Fall sollte man sich für die Hilfe bedanken und die Auswahl des Mitgebrachten loben, auch wenn nichts davon wirklich benötigt wird. Werden Ladenbesitzer oder Kassierer im Vorfeld über die Situation informiert, ist oftmals ein einfacher Umtausch möglich.


Ruhe bewahren

Demenzkranke werden manchmal so wütend, dass sie um sich schlagen, mit Dingen werfen oder Angehörige mit Worten empfindlich verletzen. Eine emotionale Konfrontation führt hier nur zu einer weiteren Eskalation. Wenn keine unmittelbare Gefahr der Selbstverletzung besteht, sollten Angehörige in dieser Situation kurz den Raum verlassen und den Betroffenen alleine lassen. In vielen Fällen führt dies zu einer schnellen Beruhigung beider Seiten.


Sich selber schützen

Pflegenden Angehörigen von Demenzkranken wird viel abverlangt – manchmal zu viel. Gefühle von Erschöpfung und Wut sind nicht nur verständlich, sondern ganz normal. Angehörige sollten sich deshalb nicht zu spät Unterstützung suchen, auf einer Aufgabenverteilung innerhalb der Familie bestehen und ohne schlechtes Gewissen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Regelmäßige Auszeiten von der Pflege sind absolut notwendig und können zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine Kurzzeitpflege organisiert werden. Oftmals wird auch der Einzug in ein Pflegeheim mit besonderer Dementenbetreuung von Betroffenen und Angehörigen als Erleichterung empfunden, sodass wieder Raum für schöne gemeinsame Zeiten entsteht.